Stellungnahme zur Putenhaltung


Liebe Kunden,

aktuell berichten Medien über unbefriedigende Haltungsbedingungen in der biologischen Putenmast. Gezeigt werden Bilder aus vier norddeutschen Bio-Betrieben, die nach den Angaben zu einer Firmengruppe gehören. Es wird die Frage aufgeworfen, ob sich die Bio-Putenhaltung wirklich deutlich von der konventionellen unterscheidet und vor allem die Frage nach öko-geeigneten Rassen gestellt.

Unsere Tiere stammen von bäuerlichen Familienbetrieben in Süddeutschland und dem angrenzenden Österreich. Die Betriebe sind alle ökologischen Anbauverbänden angeschlossen und wirtschaften nach deren Richtlinien. Die Zertifikate liegen uns vor. In der Regel sind uns die Betriebe persönlich bekannt und werden von uns auch gelegentlich besucht.

Aus unserer Sicht ist die Öko-Putenhaltung in ihrer Qualität auch abhängig von ihrer Dimension. Puten sind sehr sensible Tiere, die nur begrenzt an das mitteleuropäische Klima angepasst sind und daher viel Aufmerksamkeit brauchen, um gesund und robust aufzuwachsen. Durch die Tatsache, dass unsere Puten von eher kleineren Betrieben stammen, wo der Landwirt und seine Familie sich noch sehr intensiv und persönlich um ihre Tiere kümmern, sehen wir eine Betreuungsintensität gegeben, die dem Bedarf der Tiere nach Aufmerksamkeit angemessen ist.So kann auf Dauer das gesundheitliche Risiko für die Tiere gering gehalten werden und bei Auffälligkeiten mit milden Mitteln schnell reagiert werden. Dies hält Verluste gering.

Die Rassenfrage ist ein Grundthema in der Öko-Putenhaltung. Durch die starke Nachfrage nach Brustfleisch ging jahrzehntelang die Züchtung ausschließlich auf das Ziel eines hohen Brustanteils. Dies führte einerseits zu Tieren, die mit Skelettproblemen auf das unnatürlich hohe Brustgewicht reagieren, andererseits war diese Zucht wirtschaftlich so erfolgreich, dass sie alle anderen Rassen verdrängt hat. So sind mittlerweile für alle, auch für die Öko-Mäster, nur noch diese wenigen Hochleistungsrassen verfügbar. Eine eigene, an anderen Zuchtzielen orientierte, Öko-Putenzüchtung ist bisher nicht verfügbar. Wir begegnen diesem Problem dadurch, dass unsere Landwirte ausschließlich weibliche Puten mästen, die deutlich langsamer wachsen, viel niedrigere Endgewichte erreichen und dadurch auch diese Skelettprobleme nicht haben. Die männlichen Tiere sind in der konventionellen Mast sehr begehrt, da sie bessere wirtschaftliche Ergebnisse bringen.

Aus unserer Sicht unterscheidet sich die ökologische Putenhaltung, besonders in kleineren bäuerlichen Familienbetrieben, durchaus deutlich von der konventionellen Haltung. Hier ist neben den ganz anderen Haltungsrichtlinien (Platzangebot, Auslauf, Verbot des Schnabelkürzens und des prophylaktischen Antibiotikaeinsatzes usw.) natürlich auch die Bio-Fütterung an ganz vorderer Stelle zu nennen. Ohne Gentechnik biologisch erzeugtes Futter trägt dazu bei, die Robustheit der Tiere und ihre Gesundheit zu fördern und auch dem Verbraucher ein unbedenkliches Lebensmittel bereitzustellen.

Wir denken, dass die von unseren Bio-Landwirten praktizierte Putenhaltung unter den momentanen Rahmenbedingungen die bestmögliche Gestaltung des Themas darstellt, befürworten aber dringend weitere Anstrengungen in der Entwicklung öko-geeigneter Putenrassen.

Herzliche Grüße
Tom Reiter