.15 Jahre Partnerschaftsfest von Bio-Bauern, Chiemgauer Naturfleisch und Fachhandel

Es ist schön, wenn sich Initiativen kontinuierlich auf Basis von fairer Partnerschaft entwickeln und so war es für alle Beteiligten ein guter Grund, 15 Jahre Partnerschaft zu feiern. Für die Bio-Bauern der Region (100 Vertrags-Landwirte und ca. 80 saisonale Lieferanten), weil sie bis zur Gründung von Chiemgauer Naturfleisch 1991 kaum Vermarktungsmöglichkeiten der Tiere von ihren Höfen hatten und heute jedes ihrer Tiere im Biomarkt einen Absatz findet. Für Chiemgauer Naturfleisch, weil aus einer Ein-Mann-Initiative in 15 Jahren ein Bio-Verarbeiter mit 40 Mitarbeitern, davon 7 Auszubildende, geworden ist und mehrere handwerkliche Partnerbetriebe in der Region sich mit entwickeln konnten, und für den Fachhandel, für den in all den Jahren ein Sortiment von 200 biologischen Fleisch- und Wurstwaren entwickelt wurde, auf hohem Niveau mit gutem Service und in langjähriger, fairer und zuverlässiger Partnerschaft.

Zum Feiern gehört natürlich gutes Essen, das in einem großzügigen Buffet für alle gratis zur Verfügung war, gehört eine gute Musik, die eine fröhliche Jazzband aus Prag (Motovidlo) beisteuerte, ein schön geschmücktes Festzelt mit Kunstobjekten und ein Rahmenprogramm mit Betriebsführungen, Kinderunterhaltung mit Trampolin, Eselkutsche, Streichelzoo und Kreativshop, mit Geburtstagsständchen und Geburtstagstorte und einer Kunstausstellung in und außerhalb des Gebäudes.


Natürlich gab es auch etwas zu erzählen. Da war die Begrüßung durch den Öko-Pionier Richard J. Müller, der vor 15 Jahren wesentlich das Projekt gestaltete. Es galt im Wesentlichen zu danken für die langjährige gute Zusammenarbeit mit Bio-Bauern, Partnerbetrieben und Handel, aber auch der Dank an die Mitarbeiter, die mit viel Engagement die tägliche „Frische“ managen. Ein kleiner Rückblick auf die Wellen einer Firmenentwicklung und auch auf den guten Stern, der über all die Jahre dieses Projekt begleitet hat. Grußworte vom Trostberger Bürgermeister, von Vertretern der Anbauverbände und von Partnerbetrieben drückten die Freude aus über die überaus positive Entwicklung dieser Initiative und die Bedeutung für die gesamte Region, da doch einige hundert Menschen involviert sind.


Vor den Reden gab es bereits Weißwürste und danach ein vielseitiges Mittagsbuffet, mit den leckersten Produkten aus der eigenen „Quelle“. Danach stellten Richard Müller und Tom Reiter die Firmenentwicklung dar: von den Projektanfängen im Jahre 1991 mit der Herstellung der ersten Salamis zur Firmengründung im September 91, als Tom Reiter durch seine Diplomarbeit über Vermarktung von Bio-Rindern zum Projekt gestoßen ist, und in einem Raum im Wohnhaus von Richard Müller mit einem Telefon und einer Schreibmaschine die kleinen Anfänge geplant wurden. Erste Partnerschaft mit Hipp 1992. Dann 1994 der Umzug der Firma nach Kaltenbach bei Prien, wo in den Wirtschaftsgebäuden eines Bauernhofes Büro, Kühlungen und Verarbeitungsräume installiert wurden und das Sortiment von anfänglich 5 Produkten auf beinahe 200 Produkte ausgebaut wurde. Bis dann wieder alles aus allen Nähten platzte und 2000 ein Neubau auf 800 qm Grundfläche in Trostberg erstellt wurde und 2001 bezogen und umgesiedelt wurde, zum heutigen Standort. Die leitenden Mitarbeiter Cordula Gschlößl und Sepp Stacheter sind seit 1992 bzw. 1994 mit dabei und haben die gesamte Entwicklung mitgestaltet. Alle Aktivitäten hatten das Ziel, die Tiere der Bio-Bauern zu hochwertigen Produkten zu verarbeiten, um die biologische Landwirtschaft zu unterstützen. Das Ziel einer fast vollständigen Vermarktung der angebotenen Tiere konnte in all den Jahren erreicht werden. Es ist heute wichtig, durch eine Qualitätserzeugung einen fairen Produktpreis zu erzielen, um auch den Bio-Bauern einen fairen Preis bezahlen zu können, damit eine langfristige Bio-Produktion in der Region möglich ist. Die enorm hohen Verarbeitungsstandards, Hygienekonzepte und Dokumentations- und Rückverfolgbarkeitssysteme konnten vor allem bei den zahlreichen Betriebsführungen anschaulich vermittelt werden. Am Ende der Kette steht der Verbraucher, der auf jeder einzelnen Packung Fleisch die Adresse des Bio-Bauern auf dem Etikett findet und so den ganzen Weg vom Einzelprodukt zurückverfolgen kann bis zur Erzeugung. Diese Transparenz hat neben der hohen Produktqualität das echte Vertrauen zu dieser Herstellung vermittelt.


Im Rückblick wurde auch der Bezug hergestellt zum Schlachthaus, das in Partnerschaft mit einem regionalen Metzger betrieben wird. In diesem wird durch die Direktanlieferung auf kurzen Wegen, durch kleine Tierzahlen mit eigenen Ruhebuchten, durch künstlerische Reproduktion am und im Gebäude der Achtung vor der Kreatur, die ihr Leben läßt, um uns Menschen zu ernähren, Rechnung getragen.


Zum Abschluss der Firmengeschichte wurde ein kräftiges Geburtstagslied angestimmt, die große Geburtstagstorte angeschnitten und ein buntes Kaffee- und Kuchenbuffet eröffnet.


Im Nachmittagsprogramm gab es sehr interessante Beiträge zu aktuellen Themen.


So berichtete Anton Daxenbichler anhand seiner eigenen Erfahrungen als Bio-Bauer über die positiven Auswirkungen der Bio-Landwirtschaft auf die Gesundheit der Tiere und den wirtschaftlichen Gesamtkreislauf und empfahl möglichst vielen Landwirten die Umstellung auf Öko-Landbau.


Heiko Dustmann und Daniel Weiß, Wissenschaftler der Uni Weihenstephan, informierten über die eindeutigen Qualitätsunterschiede bei Bio-Rindfleisch. Dieses enthält dreimal so viele Omega 3- Fettsäuren wie konventionelles Rindfleisch und kann damit einen Beitrag zur Risikovermeidung bei Herzerkrankungen leisten. Grundlage dafür ist eine naturnahe, hauptsächlich auf Gras gestützte, Ernährung der Rinder, wie sie fast nur noch bei den Bio-Bauern praktiziert wird.


Franz Obermeyer informierte über die Aktivitäten der regionalen Anti-Genfood-Initiative und forderte in einem leidenschaftlichen Appell die Zuhörer auf, bei ihren täglichen Entscheidungen als Verbraucher und Bürger sich mit Nachdruck gegen die unwiderrufliche Konsequenzen einer noch zu verhindernden Einführung der grünen Gentechnik in Bayern zu wehren.


Nach einem lukullischen Abendbuffet erzählte Hans Fritz als Mitbegründer von Chiemgauer Naturfleisch über seine Beweggründe für sein Engagement und die Besonderheiten der Zusammenarbeit bei der Weiterentwicklung der Firma durch die Stürme der Zeit.
Georg Stadler, der vor der Gründung bereits die erste Bio-Kuh für Probeproduktionen geliefert hatte, gab einen Einblick in die Situation der Bio-Bauern damals und dankte Richard Müller für die Initiative, die für sehr viele Bauern zu einer echten Verbesserung ihrer Vermarktungsmöglichkeiten geführt hat.
Zum Abschluss gab es noch einen unterhaltsamen Bildbericht über 15 Jahre Freud und Leid, Siege und Pannen, Freunde und Andere, Begeisterung und Nachdenklichkeiten und einen Ausblick in eine ungewisse Zukunft, die aber dennoch gut sein wird. Es lebe das Gute im Leben.

Grüße aus dem Chiemgau.


Richard Müller und Anton Daxenbichler erzählen den Gästen aus der Geschichte der Bio-Bewegung.


Der Biokreis gratuliert mit einer Geburtstagstorte (v.l. Niko Gottschaller, Richard J. Müller, Sepp Brunnbauer, Heinz Jacob und Tom Reiter.


Mit der Eselkutsche erkundeten die jungen Gäste die Umgebung.


Richard J. Müller und Tom Reiter stoßen auf 15 Jahre Firmengeschichte an. „Motovidlo“ spielt dazu auf.



Richard J. Müller und Gregor Magg blicken auf eine lange, gute Partnerschaft zurück. Im Hintergrund ein Schild von Anelie Jungesblut.



Gäste und Mitarbeiter feiern gemeinsam das Geburtstagskind.



Mit einer breiten Auswahl biologischer Köstlichkeiten verwöhnte Chiemgauer Naturfleisch seine Gäste.

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